Filozofick√° Fakulta

Sprachmanagementtheorie

J. V. NeustupnyDer Begriff der Sprachmanagementtheorie bzw. des Sprachmanagementmodells oder -rahmens bezieht sich auf die Theorie, das Model oder den Rahmen, deren Grundlagen durch JiŇô√≠ V. Neustupn√Ĺ und Bj√∂rn H. Jernudd gelegt wurden. Um den elementaren Missverst√§ndnissen vorzubeugen, ist zu betonen, dass die Spezifik der Theorie vielmehr auf einigen theoretischen Grunds√§tzen beruht als auf dem Stichwort ‚Äělanguage management" oder ‚ÄěSprachmanagement''. Wir erw√§hnen dies hier aus zwei Gr√ľnden: Erstens wurden bestimmte grundlegende Merkmale der Theorie unter verschiedenen Bezeichnungen ver√∂ffentlicht, insbesondere das der ,,Sprachkorrektur'' (diese Fassung der Theorie wurde z.B. von Cooper (1989: 40f.) vorgelegt), zweitens nutzen manche Autoren den Begriff ‚Äělanguage management" (Sprachmanagement), ohne auf die theoretischen Aussagen von Neustupn√Ĺ und Jernudd einzugehen, und verwenden den Begriff mehr oder weniger synonym zum Begriff der Sprachplanung (z. B. Spolsky 2009).

Die Sprachenmanagementtheorie (SMT) entstand neben der Sprachenplanungstheorie (vgl. insbesondere Jernudds Hinweise auf Neustupn√Ĺ in den Sammelb√§nden von Rubin und Jernudd 1971 und Rubin, Jernudd, Das Gupta, Fishman und Ferguson 1977, vgl. auch Jernudd 1983). Allerdings hat sich das Sprachmanagement davon Schritt f√ľr Schritt so weit entfernt, dass es eine andere Alternative dazu darstellt (vgl. Jernudd 1991). Was entscheidend gewesen zu sein schien, war die Bem√ľhung Neustupn√Ĺs, die Sprachplanung auf der Makroebene konsequent auf der Theorie der Sprachprobleme zu basieren (vgl. insbesondere Neustupn√Ĺ 1978). Auf der theoretischen Ebene wurde die prim√§re Quelle von Sprachproblemen in spezifischen Interaktionen (Sprachgebrauch) identifiziert, wodurch sich der Fokus bei der theoretischen Reflexion der Sprachplanung auf die Mikrodimension verschoben hat (vgl. Kimura 2005). Das ideale Modell f√ľr die Sprachplanungsaktivit√§ten sah man in einem Prozess, den man wie folgt beschreiben kann: Die Identifikation eines Sprachproblems in spezifischen Interaktionen ‚Üí die Verabschiedung von Ma√ünahmen durch die jeweilige Sprachplanungsinstitution ‚Üí die Umsetzung dieser Ma√ünahmen in Einzelinteraktionen. Neustupn√Ĺ (1994: 50) formuliert dies wie folgt:

Ich behaupte, dass jede Sprachplanungsaktivität mit der Reflexion von Sprachproblemen beginnen sollte, wie sie beim Sprachgebrauch vorkommen, und der Planungsprozess sollte nicht als vollständig betrachtet werden, solange die Beseitigung der Probleme im Sprachgebrauch nicht umgesetzt wird.

Die umfassendste Darstellung der Theorie wird in der Monographie von Neustupn√Ĺ & Nekvapil (2003) sowie in den Beitr√§gen von Neustupn√Ĺ (2002) und Nekvapil (2006, 2012) pr√§sentiert, und ihre fr√ľhere Version findet sich in Neustupn√Ĺ (1978) sowie im Sammelband von Jernudd (1991) ver√∂ffentlicht. Einige neuere Konkretisierungen der Theorie und deren Innovationen sind in Nekvapil & Sherman (2009), Marriott & Nekvapil (2012) und Nekvapil & Sherman (2014, 2015) enthalten.

In folgenden Abschnitten finden Sie Erklärungen zu einigen grundlegenden Begriffen und ihren Differenzierungen in der Sprachmanagementtheorie sowie eine kurze Information zur Methodologie der Sprachmanagement-Forschung:


Literatur

Cooper, R. L. 1989. Language Planning and Social Change. Cambridge: Cambridge University Press.

Jernudd, B. H. 1983. Evaluation of language planning ‚Äď what has the last decade accomplished? In J. Cobarrubias & J. A. Fishman (Hgg.), Progress in Language Planning: International Perspectives. Berlin: Mouton, 345-378.

Jernudd, B. H. 1991. Lectures on Language Problems. Delhi: Bahri Publications. The fifth lecture: "Individual discourse management" PDF (1.4 MB); the ninth lecture: "Research Directions" PDF (1.6 MB)

Kimura, G. 2005. Gengoseisaku kenkyu no gengokan o tou: Gengokeikaku/gengotaido no nibunhou kara gengokanri no riron e [Wie Akteure im Bereich der Sprachpolitik die Sprache wahrnehmen? ‚Äď Von der Dichotomie Sprachplanung / Spracheinstellung zur Sprachmanagemettheorie]. Gengoseisaku [Sprachpolitik], 1, 1-13. English manuscript in PDF

Marriott, H. & Nekvapil, J. (Hgg.) 2012. Language Management Approach: Probing the Concept of ‚ÄěNoting". Special issue of Journal of Asian Pacific Communication, 22 (2).

Nekvapil, J. 2006. From language planning to language management. Sociolinguistica: International Yearbook of European Sociolinguistics, 20, 92-104.

Nekvapil, J. 2012. From language planning to language management: J. V. Neustupn√Ĺ's heritage. Media Komyunikeshon kenkyu / Media and Communication Studies, 63. Sapporo: Hokkaido University, Research Faculty of Media and Communication, 5‚Äď21. PDF (2.9 MB)

Nekvapil, J. & Sherman, T. (Hgg.) 2009. Language Management in Contact Situations: Perspectives from Three Continents. Frankfurt am Main: Peter Lang.

Nekvapil, J. & Sherman, T. (Hgg.) 2014. Jazykov√Ĺ management / Language Management. Special Issue of Slovo a slovesnost, 75 (4). LINK

Nekvapil, J. & Sherman, T. (Hgg.) 2015. Special Issue: The Language Management Approach: Perspectives on the Interplay of Bottom-Up and Top-Down. International Journal of the Sociology of Language, 232. FRONTMATTER & CONTENTS

Neustupn√Ĺ, J. V. 1978. Post-structural Approaches to Language. Tokyo: University of Tokyo Press. Chapter XII: ‚ÄěOutline of a theory of language problems" PDF (2.1 MB)

Neustupn√Ĺ, J. V. 1994. Problems of English contact discourse and language planning. In T. Kandiah & J. Kwan-Terry (Hgg.), English and Language Planning. Singapore: Academic Press, 50‚Äď69.

Neustupn√Ĺ, J. V. 2002. Sociolingvistika a jazykov√Ĺ management [Soziolinguistik und Sprachmanagement]. Sociologick√Ĺ ńćasopis ‚Äď Czech Sociological Review, 38, 429‚Äď442. On-line

Neustupn√Ĺ, J. V. & Nekvapil, J. 2003. Language management in the Czech Republic. Current Issues in Language Planning, 4, 181-366. [Neu herausgegeben in Baldauf, R.B. & Kaplan, R. B. (Hgg.) (2005). Language Planning and Policy in Europe. Vol. 2. Clevedon: Multilingual Matters, 16‚Äď201.] PDF (1.5 MB)

Rubin, J. & Jernudd, B. H. (Hgg.) 1971. Can Language Be Planned? Honolulu: The University Press of Hawaii.

Rubin, J., Jernudd, B. H., Das Gupta, J., Fishman, J. A. & Ferguson, C. A. (Hgg.) 1977. Language Planning Processes. The Hague, Paris, New York: Mouton Publishers.

Spolsky, B. 2009. Language Management. Cambridge: Cambridge University Press.